Der 13. Jahrgang im Zeitzeugengespräch

Am 12. Dezember hatten die Schüler*innen des 13. Jahrgangs des Beruflichen Gymnasiums Gelegenheit zu einem Zeitzeugengespräch mit der Ukrainerin Nadeschda Slessarewa. Im Rahmen eines Projekttages haben sich die Schüler*innen im Dokumentations- zentrum NS-Zwangsarbeit in Schöneweide mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen von osteuropäischen Zwangsarbeiter*innen und italienischen Militärinternierten beschäftigt. Am Kriegsende waren ca. 20 % der Bewohner Berlins zur Arbeit gezwungene Menschen aus den von den Deutschen besetzten Gebieten. Anschließend gab es Gelegenheit für ein Gespräch mit der ehemaligen Zwangsarbeiterin Nadeschda Slessarewa.

Nadeschda Slessarewa wird am 23. September 1930 in Dnjepropetrowsk in der Ukraine geboren. Sie verliert ihren Vater durch die stalinistische Verfolgungspolitik. Als Kind wird sie im Zweiten Weltkrieg im Winter 1943/44 von den Nazis 700 Kilometer zu Fuß Richtung Deutschland getrieben, überlebt das Konzentrationslager Stutthof, wird für medizinische Experimente missbraucht und zur Zwangsarbeit in einer deutschen Fabrik gezwungen. Sie überlebt, wird Ingenieurin und arbeitet für den Wiederaufbau der Ukraine.
Wie überlebt man in so einer Ausnahmesituation? Was gibt einem Kraft?, wollten die Schüler*innen wissen.  Nadeschda Slessarewa hat ihre Kraft aus der Begegnung mit Menschen gezogen, die ihr geholfen haben. Eine Tasse Tee von einer deutschen Bäuerin, ein geschenktes Stück Brot von einem Lagerinsassen haben ihr geholfen zu überleben.
Nadeschda Slessarewa ist eine der letzten Zeitzeuginnen zum Thema Zwangsarbeit. Sie engagiert sich seit vielen Jahren unermüdlich gegen das Vergessen und für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter. Sie hat Bücher über ihre Erfahrungen verfasst und sich in Jugendprojekten für eine aktive Geschichtsvermittlung eingesetzt. Der Bundespräsident Steinmeier hat Frau Slessarawa für Ihr Engagement in diesem Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Kiew.
Moderiert wurde das Zeitzeugengespräch von Marina Schubert vom Dokumentartheater Berlin, die das Theaterstück „Nadeschda heißt Leben“ zum Leben von Frau Slessarawa inszeniert hat.